Stadt / Land / Plus - Enger, die menschenfreundliche Kommune

Die menschenfreundliche Kommune

ALBERT - Alzheimer Beratungsstelle Enger und GTE

Erfahrungsbericht:

Neun Monat als Demenzlotse in der Stadt Bünde ab dem 16.01. – 30.09.2020 für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und pflegende Angehörige, unterwegs

Der ehrenamtliche Demenzlotse in der Kommune:

Die Alzheimer Beratungsstelle Enger hält ein solch ehrenamtliches Projekt als "Demenzlotse" seit September 2006 im Generationentreff Enger und Karin Alex in Hiddenhausen im Haus Stephanus vor. Wir sind mit Beginn des Projektes Kraftquellen in der Demenz der Überzeugung, dass eine solch ehrenamtliche Beratungsstelle in allen Kommunen des Kreises Herford vorgehalten werden sollte, das ist niederschwellig, wenig zeitaufwendig, aber mit großer Wirkung für die hilfesuchenden Menschen.

Ab dem 16. Januar 2020 wurde ein solches Ehrenamtliches Demenzlotsenprojekt bei MUM in Bünde von Karin Alex und Günter Niermann für die Stadt Bünde gestartet. Wir wollten den Menschen mit kognitiven Einschränkungen und den pflegenden Angehörigen vor Ort in Bünde ein Ansprechpartner sein, um allen Beteiligten für Ihre spezielle Situation auch Wege vor Ort aufzeigen zu können.

Kurze Darstellung des Projektes:

  • Gestartet sind wir mit dem Angebot am 16.01.2020 jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat jeweils von 10.00 - 12.00 Uhr in den Räumen von MUM und bietet an jedem Beratungstag 2 Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit (je 1 Stunde Sprechzeit), im persönlichen Gespräch auf ihre spezielle Situation explizit eingehen zu können.

  • Es gab in dieser Zeit an 17 Tagen, auch in den Oster- und Sommerferien die Möglichkeit, sich jeweils 2 Termine / Tag geben zu lassen. Es wurde in der Presse auf die Termine hingewiesen (leider funktionierte das nicht immer mit der Presse)
  • Von diesen möglichen 34 Gesprächsstunden wurden 26 Termine vergeben, an 3 Tagen gab es keinen Terminwunsch und an 2 Tagen jeweils 1 Termin.
  • Alle Termine wurden von Frauen wahrgenommen
    Von den Hilfesuchenden kamen 4 Frauen aus Kirchlengern und 18 Besucher aus Bünde. Die Zeit hat gezeigt, dass die Besucherinnen von verschiedenen Hausärzten aus Bünde auf das Angebot aufmerksam gemacht wurden. 4 Besucherinnen hatten zwei Termine, 18 Besucherinnen hatten einen Termin.

Die Themen der Gesprächsstunden waren konkret auf die spezielle Situation eines jeden Hilfesuchenden ausgerichtet, wie folgt:

• Unwissenheit im Umgang mit den Menschen mit kognitiven Einschränkungen,
• Überforderung in der häuslichen Situation,
• Keine Einstufung in die Pflegeversicherung,
• Hilfestellung bei MDK Begutachtungen,
• Möglichkeiten der Hilfeangebote in der Stadt aufzeigen,
• Hinweis auf die bestehende Selbsthilfegruppe in Bünde Kirchlengern wäre dringend erforderlich allein für die 4 Hilfesuchenden aus Kirchlengern,
• 2 x Handeln in Ausnahmesituationen mit Einweisung in die Psychiatrie hier merkte man ganz deutlich wie pflegende Angehörige allein gelassen wurden in dieser speziellen Situation,
• Kurantrag für pflegende Angehörige,
• persönliche Hilfestellung bei Hausbesuchen und Ausarbeitung der Hilfeangebote bei Begleitung in der Häuslichkeit,
• fehlende Kenntnisse über Alltagsaktivitäten.
• Eine Hilfestellung in der Häuslichkeit wurde erforderlich durch die Anfrage des Fachdienstes Demenz von Frau Altvater

Nach geraumer Zeit des Kontaktes gab es in der Regel von den Angehörigen eine Rückmeldung über die Zufriedenheit und wie die Informationen und Hilfestellungen den Menschen persönlich weitergeholfen haben.

Dieses Gesamtbild zeigt uns auf, dass trotz zahlreicher ambulanter Dienste in den jeweiligen Kommunen, Pflegestützpunkte, Beratungsstellen in den Kommunen selber und dem kreisweiten Fachdienst Demenz ein großer Bedarf bei der Bevölkerung nach Information, Hilfestellung und vor allem auch Begleitung im Haushalt ist, trotz und gerade wegen der Corona-Pandemie. Diese ehrenamtliche Anlaufstelle eines Demenzlotsen scheint eine Antwort geben zu können auf die Frage: Wie kann es uns gelingen, den Menschen vor Ort ein Ansprechpartner zu sein“.

Darum wird das Projekt „Kraftquellen in der Demenz“ und den vorhandenen Erkenntnissen an dem Vorhaben in 2021, in allen Kommunen eine solche ehrenamtliche Informationsstelle zu installieren und vernetzen festhalten, und in den nächsten Monaten auch über die Grenzen von Bünde, Enger, Spenge und Hiddenhausen hinaus versuchen, in den anderen Kommunen, auszubauen.

Günter Niermann
Generationentreff Enger
Organisation