Alle Jahre wieder – Wann ist endlich Schluss mit der Verlagerung der Einsparungen bei den Kranken- und Pflegekassen zu Lasten der pflegebedürftigen Menschen und pflegenden Angehörigen?

Rechtzeitig werden wieder Gedanken laut, hilfebedürftige Menschen und die Angehörigen mit den steigenden Kosten der Pflegekasse und Krankenkasse zu behelligen durch Zuzahlungen oder Kürzungen der Pflegegrade um nur einige zu benennen. Alles nur Einsparungen auf den Rücken der hilfesuchenden Menschen.

Warum wird nicht mal darüber nachgedacht die Krankenkassen zu kürzen, nicht mehr über 130 Kassen in Deutschland, sondern nur noch 4 Kranken- und Pflegekassen in Deutschland, (1 gesetzliche-, eine Ersatz-, eine BKK und eine IKK Kranken- und Pflegekasse). Das würde enorme Einsparungen mit sich bringen.
Nicht pflegebedürftige Menschen sind das Kostenproblem – sondern ein aufgeblähtes System.

Mögliche Vorteile sehe ich:

* Weniger Verwaltungskosten: Jede Kasse hat Vorstand, Verwaltung, Marketing, IT, Immobilien usw.
* Keine teure Konkurrenz um Mitglieder (Bonusprogramme, Werbung).
* Einheitlichere Leistungen und mehr Transparenz für Versicherte.
* Skaleneffekte: Große Kassen könnten günstiger einkaufen und effizienter arbeiten.

Milliardenbeträge könnten eingespart werden – Geld, das theoretisch in Pflege, Personal oder niedrigere Beiträge fließen könnte. Warum passiert das trotzdem nicht? Sie haben wenig mit dem Wohl der Pflegebedürftigen Menschen und pflegenden Angehörigen zu tun.

Denn die Gründe sind wohl:

* Politische Interessen & Lobbyismus, es würde nur Macht und Posten kosten.
* Föderale Struktur & Tradition, Veränderungen sind politisch unbequem.
* Argument „Wettbewerb“ Befürworter vieler Kassen sagen, Wettbewerb erhöhe Qualität.

Ich entgegne allerdings:

Im Krankheits- und Pflegefall brauchen die hilfebedürftigen Menschen und pflegenden Angehörigen keine Werbung, sondern verlässliche Leistungen. Lösungsmöglichkeiten könnten realistische Reformschritte sein, die nicht auf dem Rücken der pflegebedürftigen Menschen ausgetragen werden, sondern Strukturen, Finanzierung und Verantwortung betreffen. Dabei bleibe ich bewusst pragmatisch – also politisch machbar, nicht nur theoretisch wünschenswert.

Schrittweise Kassen-Konzentration statt Radikalbruch:

1. Weniger Kassen, geringere Verwaltungskosten, ohne Chaos. Keine Neugründungen mehr zulassen
2. Kleine Kassen unter einer Mindestmitgliederzahl verpflichtend fusionieren 

Ergebnis: Deutlich weniger Doppelstrukturen, Einsparungen in Milliardenhöhe – ohne Leistungskürzunge:

Einheitlicher Leistungskatalog – Schluss mit „Scheinwettbewerb“

1. Gerechtigkeit und Transparenz.
2. Gesetzlich verbindlicher, bundesweit einheitlicher Leistungskatalog
3. Zusatzleistungen nur noch in sehr engem Rahmen erlaubt
4. Keine Marketing- oder Bonusprogramme mehr aus Beitragsmitteln

Wettbewerb darf nicht über Werbung laufen, sondern höchstens über Servicequalität.

Pflege aus der Beitragslogik lösen, denn Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und darf kein Armutsrisiko zu Lasten zahlreicher hilfebedürftiger Menschen und deren Angehörigen sein.

Eigenanteile deckeln – bundesweit einheitlich regeln, damit eine Planungssicherheit für Betroffene und Angehörige entsteht.

Verwaltung radikal vereinfachen z.B.
Einheitliche Antragsverfahren für Pflegegrad, Hilfsmittel und Entlastungsleistungen. Entlastungsleistungen wieder dem Ehrenamt zuordnen und nicht als Zusatzeinnahme der ambulanten Dienste. Auch die Pflegegrad Prüfung stärker standardisieren, weniger Willkür der Gutachter.

Personal stärken statt Pflegegrade kürzen
Qualität sichern, Mit dem stabilisieren des Systems gibt es keine weitere Leistungsausweitung ohne gleichzeitiger Personalfinanzierung.
Die Pflegegradkürzung löst kein einziges strukturelles Problem.
Ehrliche Finanzierungsdebatte führen

Und Schluss mit der unsäglichen Verlagerung der zusätzlichen Kosten auf pflegebedürftige Menschen und deren Angehörigen. Ohne pflegende Angehörige hätten wir ein Riesen Problem in Deutschland.
Langfristig sollte man sich Annähern von gesetzlicher und privater Versicherung um somit auch das Solidaritätssystem wieder ernst nehmen.
Hierzu gehört auch die Offenlegung aller Verwaltungskosten und Werbekosten der Kassen.

Ich weiß das es politisch unbequem ist, an das Grundübel zu gehen, aber wir müssen uns alle vor Augen führen, dass nicht pflegebedürftige Menschen und deren Angehörigen das Kostenproblem sind, sondern ein aufgeblähtes, fragmentiertes System.

So ganz nebenbei könnte man das Vertrauen der Gesellschaft wieder zurückgewinnen.

Günter Niermann
30.12.2025